Sportvereinigung Lütau von 1948 e.V.

Die Erstellung einer Chronik ist in den Vereinen im allgemeinen eine zweitrangige Angelegenheit, im Vordergrund steht der Sport und das gesellige Beisammensein. Aus den ersten Vereinsjahren gibt es keine Protokollaufzeichnungen. So konnten die folgenden Angaben über die Vereinsgründung nur nach Befragung einiger Beteiligter zustande kommen.

Nach Ende des 2. Weltkrieges hatte Lütau wie viele andere Gemeinden im Kreis eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen, die Einwohnerzahl hatte sich gegenüber der Vorkriegszeit mehr als verdoppelt. Mit den neuen Bewohnern waren auch neue Gedanken und Ideen ins Dorf gekommen. Man erinnerte sich an die gesundheitlichen und geselligen Werte des Sportes, den man in jüngster Vergangenheit "gezwungenermaßen" ausüben musste. Obwohl zunächst die alltäglichen Probleme wie Lebensmittelversorgung und Unterbringung aller dazugekommenen Neubürger im Vordergrund standen, fanden sich bereits im Jahr 1947 einige junge Männer, die in ihrer Freizeit Fußhall spielen wollten. Zunächst kickten "Selbstversorger" gegen "Normalverbraucher", also überwiegend alteingesessene Lütauer gegen die neu dazugekommenen Flüchtlinge.
In einigen Nachbarorten gründeten sich bereits neue Fußhallvereine, und so trafen sich am 19.April 1948 einige Fußhallfreunde zur Gründung eines Vereins. Dies war die Geburtsstunde der Sportvereinigung Lütau.
Gemäß der damaligen Bestimmungen musste zur Vereinsgründung die Genehmigung der britischen Militärbehörden eingeholt werden; daher existiert auch noch eine englische Fassung der ersten Satzung von 1948. Diese Satzung enthielt einige Bestimmungen, die auf die besonderen Zeitumstände nach dem Zweiten Weltkrieg hinweisen. So war jede parteipolitische Tätigkeit ebenso untersagt wie die Knüpfung der Mitgliedschaft "an religiöse und rassische Bedingungen", Jedes neuaufgenommene Mitglied hatte zunächst einen "Aufbaubeitrag" von 5,00 Reichsmark zu entrichten; der Monatsbeitrag betrug nach der Währungsreform ab Juli 1948 DM 0,50 für Erwachsene und DM 0,30 für Jugendliche.
Nach der Vereinsgründung wurde zunächst darangegangen, in der Sandkuhle am Gallberg eine ordentliche Spielfläche herzurichten. Über die Nutzung des Geländes, das noch während des Krieges als Schießstand gedient hatte, gab es zunächst Streitigkeiten mit Lütauer Pferdefreunden, die dort ihre Ringreiten abhalten wollten.
Mit Unterstützung von Pferdegespannen wurden umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt, um den Platz einzuebnen. Öffentliche Zuschüsse gab es in der damaligen Zeit natürlich noch nicht; die Arbeiten wurden meist in den Abendstunden von freiwilligen Helfern durchgeführt und dauerten mehrere Monate an.

Im ersten Jahr fanden sich auch einige Frauen, die gerne Handhall spielten. Ihr Bemühen, einen regelmäßigen Spielbetrieb aufzuhauen scheiterte aber vermutlich an den damaligen widrigen Umständen.

Bild50 Jahre Sportvereinigung Lütau bedeuten auch fünfzig Jahre Fußballsport im Verein, denn die Freude am Fußballspielen gab letztendlich den Ausschlag für die Vereinsgründung.
Beim Fußball als Mannschaftssportart steht natürlich das Team und nicht der einzelne Sportler im Vordergrund. Aber auch Mannschaften möchten lieber gewinnen als verlieren. In Lütau ist dies nicht anders. So verstehen auch wir Siege zu feiern und Niederlagen zu verdrängen. Die Anfänge waren wie zu der Zeit üblich, auch im Sportbereich beschwerlich. Besonders an geeigneter Ausrüstung mangelte es damals; die wenigsten besaßen noch ein paar alte Fußballschuhe, so dass zumeist mit Schnürstiefeln oder normalen Straßenschuhen gekickt wurde. Auch die Beschaffung von Fußbällen war ein Problem. Zunächst versuchte man über die Gemeinde, eine runde Lederkugel von der Schule zu bekommen; nach der Vereinsgründung wurde die Zuteilung über den Kreissportverband beantragt. Die Fußballer spielten zunächst in rotweißem Dress, da in diesen Farben noch ausreichend Fahnenstoff zum Nähen von Trikots aufzutreiben war.
Erst etwa 1950 konnten Trikotsätze in den Vereinsfarben blau und weiß angeschafft werden. Auf Kreisebene gab es 1948 noch keinen eigenen Fußballverband; die Fußballer waren als Sparte des Kreissportverbandes organisiert. Auf einer Spartentagung am 24. Juli 1948 wurde beschlossen, den Punktspielbetrieb in einer Nord- und einer Südstaffel aufzunehmen. Neben dem SV Lütau gehörten Mannschaften aus Sahms, Güster, Büchen, Müssen, Schwarzenbek, Gülzow, Lauenburg und Aumühle zur neugeschaffenen Südstaffel. Bereits vorher hatte es Freundschaftsbegegnungen gegen Mannschaften aus den umliegenden Gemeinden gegeben. Dabei wurde bis nach Breitenfelde gefahren. Da es weder eigene Pkws noch Busverbindungen gab, mussten die Spieler meist mit dem Fahrrad anreisen; gelegentlich ging es auch mit einem Trecker-Fuhrwerk oder auf der Ladefläche eines Lkw zum Auswärtsspiel. Umgezogen wurde sich in einer kleinen Bretterbude, die aus Umkleideräumen für zwei Mannschaften und einem Verkaufstresen bestand, an dem Getränke, Süßigkeiten und Eis angeboten wurden. 1952 wurde auf einer Mitgliederversammlung der Bau einer Bedürfnisanstalt auf dem Sportplatz beschlossen, um den bisherigen unbefriedigenden Zustand zu beenden.

Wie groß das Interesse am Fußball in Lütau war, zeigt die Tatsache, dass gleich bei Vereinsgründung zwei Herrenmannschaften gebildet wurden. Bald kamen auch Jugendmannschaften hinzu, und es nahmen in den ersten Jahren insgesamt sechs Mannschaften am Spielbetrieb teil. Trainer gab es in dieser Zeit nicht; dafür in den Reihen der Spieler ein oder zwei Verantwortliche, die das Sagen hatten. Die Fußballmannschaften von Lütau haben im Laufe der Jahre viele Pokale gewonnen und einige Staffelmeisterschaften erreicht. Die Spielstärke der 1. Mannschaften bewegten sich zwischen Kreisklasse A und der Kreisliga, in der auch heute die ,,Erste" spielt.

Der größte sportliche Erfolg bahnte sich Mitte der siebziger Jahre mit einer sehr intensiven Jugendarbeit an. In dieser Zeit nahmen teilweise fünf Jugendmannschaften am Punktspielbetrieb teil. Franz Möller, der zu dieser Zeit Jugendwart war, krönte seine Arbeit mit dem Gewinn der Kreismeisterschaft der B-Jugend.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war zweifellos die Einweihung unseres Vereinsheimes auf dem Sportplatz im April 1964. Es wurde mit einem Kostenaufwand von 22.000,-- DM errichtet und galt zu der Zeit hinsichtlich der Umkleide und Duschmöglichkeiten als vorbildlich im ländlichen Raum. Dieses Bauvorhaben konnte nur Dank des unermüdlichen Einsatzes des damaligen Vorsitzenden F.-W. Hochschild gelingen, der nicht nur hartnäckig den Zuschüssen von Bund, Land , Kreis und Gemeinde "nachjagte", sondern die Vereinsmitglieder auch noch zu einer Eigenleistung von ca. 7.000,-- DM begeistern konnte. Für seine Verdienste wurde Fritz Hochschild am 9.1.1976 von der Mitgliederversammlung zum Ehrenvorsitzenden bestimmt.

Als vorläufig letztes Glied in dieser Kette zählt die Erneuerung der Rasenfläche auf dem Sportplatz. Fast drei Jahre mussten unsere Fußballer in dieser Zeit ihre Heimspiele in Gülzow, Witzeeze oder Schnakenbek austragen. 1976 war es dann soweit. Mit einem Freundschaftsspiel gegen den Düneberger SV wurde der neue Platz eingeweiht.

Was wäre der Fußball ohne Schiedsrichter? Auch in diesem Bereich hat die Sportvereinigung Lütau (wenn oft auch mit Mühen) ihren Beitrag geleistet. Vor allem wenn man berücksichtigt, dass ein Schiedsrichter nicht nur ein Spiel leiten muss, sondern sich auch noch mit den wirklichen Regelexperten außerhalb des Spielfeldes auseinanderzusetzen hat.

Bild Im Laufe der Jahre hat es immer wieder das Bemühen verschiedener Sportfreunde gegeben, eine Turngruppe zu bilden. So ist zum Beispiel überliefert, dass Lehrer Sievert sich freuen würde, wenn die Turnabende mehr Zuspruch fänden (1955), da wurde Erdmann Fischer zum Vorturner bestimmt (1956) und Ulrich Niemann zum Turnwart gewählt (1959). Alle Bemühungen waren letztlich aber nicht von Erfolg gekrönt, weil die Übungsstunden nicht regelmäßig und auf Dauer angeboten werden konnten. Das änderte sich erst später.

Seit dem 05.Oktober 1962 ist eine Wandersportlehrerin vom Verein für Jugendpflege und Sport in unserem Verein tätig. Sie begann zunächst mit Kinderturnen und konnte zu den ersten Übungsstunden gleich achtzehn Mädchen begrüßen. Die Jungen hielten sich damals noch etwas zurück oder spielten lieber Fußball.

Ab 13. April 1964 wird auch Frauengymnastik angeboten, zu der sich auf Anhieb dreißig Teilnehmerinnen einfanden. Der Einsatz der Wandersportlehrerinnen hat sich gut bewährt, so dass er aus dem Übungsprogramm der kleinen Sportvereine gar nicht mehr wegzudenken ist. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus Mitteln des Kreises und der Gemeinden.

Das Erlernte zeigen die Kinder in Vergleichswettkämpfen mit anderen Vereinen, z.B. heim jährlichen Nikolausturnen des Vfl GrünhofTesperhude oder die Erwachsenen bei der Sportschau des Kreissportverbandes. Gern angenommen werden auch die Kurse für Step-Aerobic sowie die Freizeit für Kinder in den Ferien.

Die Anfänge des Tischtennisspiels in Lütau lassen sich nicht mehr genau bestimmen. Erstmals ist im Protokollbuch am 30.12.1954 erwähnt, dass sich dieser Sport immer größerer Beliebtheit bei den Jugendlichen erfreut. Gespielt wurde in der Turnhalle an der Redderallee zunächst auf hölzernen Platten von Gastwirt Lange, die wohl grün gestrichen waren, aber keinesfalls eine ebene Fläche aufwiesen. Die erste richtige TT-Platte wurde Ende 1954 mit Hilfe des Sportförderungsausschusses in Kiel angeschafft. Aber erst seit dem Jahr 1964 gibt es offiziell eine TT-Sparte, aus der bis heute immer unterschiedlich viele Mannschaften am Punkspielbetrieb teilnehmen. Zu besten Zeiten waren mal zwei Damen- und sechs Herrenmannschaften für Lütau am Start. Den größten bisherigen Erfolg erreichte die 1. Herrenmannschaft im Jahr 1976, als sie Meister der Kreisliga Lauenburg wurde und damit den Aufstieg in die Kreisliga Lübeck/Lauenburg schaffte. Heute spielt leider nur noch eine Herrenmannschaft. Das liegt sicherlich nicht am fehlenden Nachwuchs, sondern, wie in anderen Sparten auch, an der fehlenden Bereitschaft erfahrener Spieler, sich als Übungsleiter zur Verfügung zu stellen.

Die nachstehenden bisherigen Vorsitzenden stehen selbstverständlich nur stellvertretend für alle anderen Vorstandsmitglieder, Spartenleiter und Betreuer. Sie alle haben zum Entstehen und Weiterbestehen der Sportvereinigung Lütau beigetragen.

Vorsitzender Amtszeit
Siegfried Fauck 1948-1953
Fritz Buhr 1954-1957
Günter Wilhelm 1958-1961
F.W. Hochschild 1962-1975
Rudolf Pemöller 1976-1977
F.W. Hochschild 1978-1979
Rudolf Pemöller 1980-1995
Claus Fehrmann 1996-1999
Rudolf Pemöller 2000-2003
Klaus-J. Radtke 2004-

Vereinswappen